Zweiläufige Charles Lancaster Pistole Ca. 450 CF mit ausziehbarem Griffstück.

von Wolfgang Berk

Geschichte / Historie:

Charles William Lancaster war der älteste Sohn von Charles Lancaster, welcher ein Laufschmied speziell für Josef Manton war. Er machte sich später mit eigener Firma in der New Bond Street 151, London unabhängig selbständig.

Als er 1847 starb, erbten seine beiden Söhne die Firma. Im Jahre1859 aber trennten sich die Brüder und Charles William Lancaster führte bis zu seinem Tode 1878 die Firma alleine fort,.

1850 ließ er sich durch Patent die ovale Bohrung sowie die dazu notwendigen Maschinen schützen. Ovale Bohrung bedeutet, dass die Läufe innen vollkommen glatt sind, die Form aber nicht kreisrund sondern ganz leicht oval mit einem entsprechenden Drall.

Nach dem Tod von Charles William Lancaster kaufte Henry A.A. Thorn die Firma, behielt aber den Traditionsnamen „Charles Lancaster“ bei.

In den Jahren 1881 und 1882 lässt sich Thorn die vier- und zweiläufigen „Lancasterpistolen durch Patente schützen.

Die Pistolen werden in 3 Varianten der Laufverriegelung gefertigt: Die frühen Pistolen mit dem „doll´s head“ system im Übergang mit „doll´s head“ und „hook lever“ system und die meisten dann im „hook lever“ system.

Der Abzugsmechanismus ist ein Drehwalzenrücksprengschloß. Bei der zweiläufigen Bockpistole ist das Drehwalzenschloß modifiziert.

Kaliber gab es üblicherweise in .380CF, .450CF, .455CF, .475CF und .577CF sowie abgeändert in 20bore Schrot Nitro. Letztere sollten zur Abwehr von „Irischen Terroristen“ gegen Englische Autofahrer dienen.

Abzüge gab es: einmal den „double action only“ Abzug, dann den Doppelabzug nach der Idee von William Tranter in zwei Ausführungen, den Vorspannabzug wie William Tranter aber auch als verbesserte Modifikation, geteilt mit Gelenk, was ein Anklappen des Abzugs an den Abzugsbügel bei Nichtgebrauch erlaubte. Tranter Patente wurden dabei nicht verletzt.

Die Griffformen waren vielfältig: Verschiedene „Birds head“ Griffformen, bei den zweiläufigen .577CF Pistolen auch die „Fishtail“ Griffform. Da die Waffen weitgehend noch einzeln oder in Kleinserie gefertigt wurden, konnte man Kundenwünsche jederzeit Rechnung tragen, sei es was das Kaliber anbetraf, als auch was die Griffform und die Art des Abzugs anbetraf.

Waffenbeschreibung:


Der Beschuss ist jeweils Londoner Beschuss. Die Kaliberangabe befindet sich, soweit vorhanden, an der linken Seite des Laufbündels. Die Patentstempel, kreisrund befinden sich auf der Stirnfläche des Stoßbodens.

Die Nummerierung umfasst aber alle ausgelieferten Waffen gleich welchen Fabrikats, ebenso die gelieferten Langwaffen. Daher ist eine auch nur annähernde Angabe der Anzahl der gefertigten vier- und zweiläufigen Pistolen unmöglich.

Patente: Charles William Lancaster

Patent Nr. 13161 vom 3. Juli 1850: Ovalbore rifling einschließlich der Laufziehmaschine.

Patent Nr. 13454 vom 3. Juli 1850: Verbesserung des Patents 13161.

Patent Nr. 3642 vom 23.12. 1868: Ovalbore in Kombination mit anderen Laufkonfigurationen.

Patente : Henry A.A. Thorn (Charles Lancaster)

Patent Nr.1242 vom 21.3. 1881: Schlosssystem mit drehendem Schlagstück im Schlossgehäuse bei Einfachabzug.

Patent nr. 213 vom 16.1.1882: Schlosssystem für den Doppelabzug.

Ein Patent für die Teleskop-Griffverlängerung konnte unter den englischen Patenten bisher nicht gefunden werden. Vielleicht weiß ein Leser mehr