Geschichte
Zu den mit A = Ausschuss gezeichneten Waffen schreiben Morawietz und Wirtgen:
In den Musen und auch bei Sammlern findet man preußische Gewehre und Karabiner Modell 1839 (glatt und gezogen) und Zündnadelgewehre, Zündnadelbüchsen und Karabiner aller Modelle, die keinen Formationsstempel haben, aber auf der linken Kolbenseite mit den oben angegebenen Buchstaben gekennzeichnet sind. Diese in das Kolbenholz eingeschlagenen lateinischen Buchstaben sind etwa 10 mm groß. Über die Bedeutung dieser Kennzeichnung, die weitgehend unbekannt ist, gibt das „Handbuch für die Offiziere der Königlich Preußischen Artillerie von Jahre 1860“ Auskunft. Dort heißt es auf Seite 448:
Einteilung der Bestände: Allgemeines Kriegs-Departement (A.K.D.) vom 28.8.1852. Augmentation für die mobilen höheren Kommando-Behörden, für die Administraturen, stellvertretenden Behörden, Ersatz- und Besatzungstruppenteile, für Feldreserve, Defension, Belagerung und Dispositions-Vorräte. Letztere nach Art ihrer derzeitigen Verwendung in folgernde Klassen eingeteilt:
Zum Felddienst geeignete Waffen (ohne Bezeichnung)
Zum Defensionsgebrauch geeignete Waffen (auf der linken Kolbenseite mit einem „D“ gestempelt)
Zur allgemeinen Landesbewaffnung geeignet („L.B.“)
Exerzierwaffen („E“)
Unbrauchbare Waffen („A“ = Ausschuss)
(Morawietz)
Auch bei den privaten Gewehrfabriken waren Gewehrrevisions-Kommissionen eingesetzt, denen die Fertigungsbeobachtung und Güteprüfung der Waffen oblag. Dies geschah nach gesonderten Instruktionen bzw. Revisionsvorschriften, die auf der Grundlage der Dienstordnung für die Militärwaffenfabriken von 1857 beruhten. Danach mussten alle hergestellten Teile, die nicht den Vorschriften entsprachen und bei denen eine Nachbesserung nicht möglich war, zurückgewiesen werden. Damit die Teile nicht nochmals vorgestellt werden konnten, wurden die fehlerhaften Stücke mit einem „A“ (Ausschuss) gestempelt und in eine gesonderte Liste aufgenommen.
(Wirtgen, Arnold)
Technische Daten und Maße
Beschreibung
Nussbaum-Halbschaft mit Messingbeschlägen, diese bestehend aus einem von unten an einem Sockel des Laufs verschraubtem Laufring, Abzugsbügel mit Fingerhaken und Kolbenkappe. Flaches, s-förmiges Schlossgegenblech und oberer sowie unterer Kolbenbügel aus Eisen. Lauf mit Patentschwanzschraube und Mündungswulst. Standkimme auf dem Schwanzschraubenblatt, Eisen-Dachkorn auf dem Lauf, 26mm hinter der Mündung. Perkussionsschloss M/50 mit flachem, bündig in das Schaftholz eingelassenem Schlossblech und federgestützter Pistonsicherung.
Abmessungen und Daten :
Gesamtlänge: 380 mm
Lauflänge: 220 mm
Schlosssystem: Perkussionsschloss
Kaliber: 15,1 mm
Züge: glatt
Gewicht: 1360 g
Schaft: Nussbaum-Halbschaft
Stempel und Signaturen
Auf dem Schlossblech „S & C“ (Hersteller Sauer & Consortium)
Stempel „A“ (Ausschuss) auf Lauf, Vorderring, Schaft und Kolbenkappe. Stempel „3“ auf dem Schaft und ein undeutlicher Stempel auf dem Abzugsbügel.
Literatur
- Morawietz, Otto: Was besagen die Buchstaben D., L. B., E. und A. auf der linken Kolbenseite der preußischen Gewehre und Karabiner Mod. 1839 (glatt und gezogen und der damit gezeichneten Zündnadelwaffen aller Modelle)in DWJ 8 (1972) H. 3, S. 200
- Wirtgen, Arnold: Ausschuß, Preußische Kavalleriepistole m/50 in DWJ 1995 Heft 4, Seite 555.
- Arnold Wirtgen ; Die preußischen Handfeuerwaffen, Modelle,Manufakturen, Gewehrfabriken,1814 bis 1856, Steinschloß- und Perkussionswaffen, Bonn. 2004